Die Wetterau ist stark von der landwirtschaftlichen Nutzung geprägt. Insbesondere in der Feldflur ist hierbei ein zunehmender Rückgang der Biodiversität zu beklagen.
Um diesem Trend entgegen zu wirken, engagieren sich die Jäger in der Wetterau nun für einen typischen Bewohner der offenen Landschaft der Wetterau, das Rebhuhn.
Das Rebhuhn ist eine Leitart für den Lebensraum der Agrarlandschaft. Wenn es dem Rebhuhn gut geht, dann geht es auch vielen anderen Arten im Feld gut.

Andreas Mohr hat im vergangenen Jahr daher den „Rebhuhn-Hegering Wetterau“ gegründet und wendet sich dieser Niederwildart in besonderer Weise zu. Ziel ist es, den Rebhuhnbesatz zu stabilisieren und die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu seinem Schutz zu nutzen. Bisher haben sich über 40 Reviere mit einer Gesamtfläche von über 20.000 Hektar dem Rebhuhn-Hegering angeschlossen. In diesen Revieren werden die Tiere im Frühjahr und Herbst gezählt, um dann den jährlichen Zuwachs zu ermitteln. Andreas Mohr sieht das Rebhuhn als „Verantwortungsart“ – denn auch das Rebhuhn ist Teil der biologischen Vielfalt (Biodiversität).
Die Entwicklung aller Feldtiere ruht auf drei Säulen:

  • geeigneter Lebensraum
  • ausreichende Nahrung
  • geringer Prädatorendruck

Im Rahmen der Göttinger Forschungen (PDF) zum Rebhuhn wurde festgestellt, dass die Landwirtschaftspraxis der „Superfaktor“ für die Feldarten darstellt. Aus den Projektergebnissen wurde abgeleitet, dass für eine Stabilisierung des Rebhuhnbesatzes mindestens 1% der Ackerfläche in mehrjährige Brache- oder Blühstreifen umgewandelt werden muss und erst bei Umwandlung von 3-7% der Ackerfläche ein deutlicher Populationsanstieg zu erwarten ist.
Die rebhuhnfreundliche Anpassung der Landwirtschaftspraxis auf großer Fläche kann von der Jägerschaft nicht umgesetzt werden.
Für die praktische Arbeit der Jäger müssen diejenigen Hegemaßnahmen favorisiert werden, die von den Jägern auch erfolgreich und schnell umgesetzt werden können.
Das Arbeitsprogramm zur Hegearbeit für die Feldarten umfasst daher drei Säulen, die sofort in den Revieren bearbeitet werden können:

  1. Sofort-Hungerhilfe
  2. Lebensraumgestaltung
  3. Prädationskontrolle

Sofort-Hungerhilfe

Bei der teilweise intensiv genutzten Ackerflur besteht ein erheblicher Mangel an Körner- und Samenfutter. „Aus Frankreich haben wir uns die Sofort-Hungerhilfe mit Futtereimern abgeschaut“, sagt Andreas Mohr. Diese Methode mit den Futtereimern wurde bereits seit fünf Jahren im Revier Büdingen-Düdelsheim mit besten Erfolgen getestet. 600 solcher Futtereimer werden aktuell in den Rebhuhnrevieren im Wetteraukreis ausgebracht.

Lebensraumgestaltung

Als Beitrag für die Lebensraumgestaltung können gemeinsam mit Landwirten sogenannte Blühstreifen angelegt werden. Dabei handelt es sich um kleinparzellige Feldstreifen mit unterschiedlichsten Wildpflanzen und hoher Insektendichte sowie guter Deckung für eine Vielzahl an Wildtieren. Davon profitieren insbesondere Insekten. Das Anlegen solcher Blühstreifen setzt eine finanzielle Förderung für den Landwirt voraus.

Prädatorenkontrolle

Göttinger Forscher haben herausgefunden, dass von 139 mit Sendern ausgestattete Rebhühner in einem Jahr 100 Tiere von Raubtieren gefressen wurden. Nur 25 % der besenderten Rebhühner hatten Erfolg beim Ausbrüten der Jungtiere. Je nach Witterung, Nahrung und Prädatorendruck sterben dann noch 25 % der Küken.
Andreas Mohr: „Wenn nur 25% der Rebhühner im Frühjahr der Prädation entkommen und erfolgreich brüten und wir dann noch 25% Kükenverluste hinnehmen müssen, brauchen wir uns über den teilweise bedrohlichen Zustand unserer Feldvogelbesätze nicht wundern. Allen bodenbrütenden Feldvogelarten geht es ebenso, denn von den bestandsbedrohten Offenlandarten ziehen zu wenige Elterntiere zu wenige Jungtiere auf, die dann allesamt von zu vielen Beutegreifern aufgefressen werden und somit für den notwendigen Besatzaufbau nicht mehr zu Verfügung stehen.“
Mit einem eigenen Versuch im Lehr- und Ausbildungsrevier des Jagdvereins Hubertus Altkreis Büdingen e. v. konnten die Göttinger Ergebnisse bestätigt werden. Die Erfahrungen und Erkenntnisse verschiedener Autoren werden von den Göttinger Arbeiten gestützt, dass der Fuchs als „Superprädator“ zu betrachten ist.
Die Initiatoren des Rebhuhn-Hegerings Wetteraus folgen dieser Auffassung nicht umfänglich, denn neben dem Fuchs besiedeln auch andere Räuber unsere Feldfluren in hoher Dichte. Wir folgen dabei in Grundzügen der holländischen SOVON-Untersuchung mit ihrem Fazit: Es reicht nicht aus, sich nur auf eine Art Prädator als Ursache zu konzentrieren. Es müssen alle infrage kommenden Prädatoren in das Management einbezogen werden.

Alle Maßnahmen kommen neben dem Rebhuhn auch Arten wie Feldlerche, Kiebitz, Feldhase und vielen Singvögeln zugute.

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