Mein erste Begegnung mit der Jagd führt zurück ins Jahr 1999. Damals war ich mit meiner Familie in Namibia und wir lernten Jäger aus Deutschland kennen. Sofort war ich fasziniert von den Weidmännern und lauschte jeden Abend den spannenden Geschichten. Am nächsten Tag durfte ich die Grünröcke sogar zur Jagd begleiten — im Nachhinein erinnere ich mich gerne an die Zeit zurück. 16 Jahre später hatte ich meinen Bachelor in Köln endlich abgeschlossen. Jetzt war es Zeit, den Jagdschein zu machen. Es gab nur ein Problem, denn mir fehlte an allen Ecken und Enden die Zeit für die intensive Lernzeit.
Da ich gerade eine neue Stelle angenommen hatte, konnte nicht innerhalb der nächsten Wochen fehlen, geschweige denn zwei Abende pro Woche mit der Jagdausbildung verbringen.
Zum Glück merkte ich recht schnell, dass es genügend Jagdschulen gab, die auch andere Angebote im Programm hatten. „Jagdschein in 3 Wochen“ und „In kürzester Zeit Jäger werden“ – das waren die Botschaften, die mich auf vielen Webseiten erwarteten.
Tatsächlich schien so ein Kompaktkurs genau das Richtige für mich zu sein und so meldete mich nach kurzer Bedenkzeit für einen Kurs in Niedersachsen an. Der Kurs dauerte in Kombination mit einer Intensivwoche und drei Wochenenden insgesamt vier Wochen. Dabei ging die Zeit in der Schule viel schneller rum als ich erwartet hatte. Kaum war ich dort, schon hielt ich den Jägerbrief in den Händen. Überglücklich und zufrieden kümmerte ich mich in Windeseile um die Formalien, beantragte meinen Jagdschein, kaufte ein Gewehr und war bereit für die große Jagd.
Also wenn ich ehrlich bin, war ich damals überhaupt nicht bereit. Für keine Jagd. Ich hatte zugegebenermaßen sogar Angst davor. Fragen über Fragen jagten durch meinen Kopf: Hatte ich genug geübt? Würde ich treffen? Was ist, wenn ich den Bock falsch anspreche? Glücklicherweise begleitete mich ein Jagdfreund beim ersten Ansitz. Er gab mir wertvolle Tipps und konnte mir natürlich beim korrekten Ansprechen des Wildes helfen. Eine Sorge weniger. Da blieb nur noch das ungute Gefühl, wenn ich ans Schießen dachte. Was würde passieren, wenn jetzt der Bock in 80 Meter Entfernung auftaucht? Treffe ich? Doch auch diese Sorge löste sich in Luft auf. Denn es ergab sich nur eine einzige Gelegenheit überhaupt zum Schuss zu kommen. Ein Bock streifte auf 160 Metern über eine gemähte Wiese und äugte bedächtig zu uns rüber. Tim sah mich an und flüsterte, ob ich bereit wäre. Doch ich lehnte dankend ab. Das war einfach nicht die richtige Distanz. Nicht beim ersten Schuss. Tim ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt und drückt ab. Der Bock lag im Knall.
Ob ich unglücklich war? Nein. War ich nicht. Ich war sogar froh, das ich mich dagegen entschieden habe. Natürlich hat mich meine Sorge etwas falsch zu machen, gehemmt.
Gleichzeitig hat sie aber auch dazu geführt, dass ich nicht untätig bleibe, sondern die kommende Zeit nutze, um mich besser vorzubereiten. Und sicherer zu werden. Ein Besuch am Schießstand folgte dem nächsten. Buch um Buch wurde gelesen und vor dem 01. Mai wurde noch einmal fleißig im Schießkino trainiert. Seitdem fühle ich mich innerlich viel gelassener. Ich weiß, das ich meine Waffe beherrsche, das ich sicher schießen kann und welche Schüsse ich mir zutraue.
Ich glaube, dass man gerade als Jungjäger immer wieder in Situationen gerät, in denen man besonnen handeln muss. Nicht zu Schießen kann zur Tugend werden. Denn nichts ist schlimmer als ein Stück Wild derart zu verletzen, dass es sich quält und vor Schmerzen schreit. Dem kann man nur vorbeugen, in dem man regelmäßig trainiert. Ich war nach meiner Jägerprüfung nicht bereit – jetzt bin ich es.

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